Heute geht es nicht ums Schreiben. Heute geht es ums Nicht-Schreiben ‒ warum es dazugehört und warum das die Dinge nicht einfacher macht.

Zwischen uns Autoren und dem Schreiben besteht ‒ so scheint es jedenfalls oft ‒ eine Art Hassliebe. Wir prokrastinieren endlos herum, bis wir mal mit dem Schreiben anfangen, dann wiederum jammern und fluchen wir herzhaft darüber, wenn die Zeit zum Schreiben fehlt. Manchmal ist Schreiben ein Rausch, manchmal zähes Ringen um jeden Buchstaben. Schreiben ist Belastung und Erleichterung zugleich. Schreiben ist Leben.

Manchmal ist es einfach nicht der richtige Moment zum Schreiben

Damit meine ich nicht unbedingt die klassische, gefürchtete und schmerzhafte Schreibblockade. Auch wenn sie ein Stück weit auf jeden Fall dazugehört. Aber ich denke, es gibt noch andere Gründe, warum Autoren nicht schreiben, und einer davon ist ganz banal: Das Schreiben selbst macht oft nur einen Bruchteil des gesamten Schreibprozesses aus. Das ist meistens okay ‒ und manchmal ist es einfach doof.

Ich persönlich habe seit Anfang des Jahres erst sehr wenig geschrieben. Und ich hasse diesen Zustand. Es ist nicht so, dass ich blockiert bin. Stattdessen durchlaufen meine Projekte von der ersten Idee bis zum abgabefertigen Manuskript verschiedene Stadien ‒ und derzeit hat einfach noch keines Schreibreife erreicht.
Da ist das Buch, das ich als nächstes schreiben möchte. Ich liebe die Idee, die Figuren, das Setting. Das Exposé ist fertig, ich habe eine Playlist mit Liedern, die mir regelmäßig Sehnsucht nach dem Projekt machen. Aber damit der Roman so werden kann, wie er werden soll, sind noch Zwischenschritte nötig ‒ zum Beispiel ausführliche Figurenentwicklung, Recherche zum Setting und Feinplotten.

Planst du noch oder prokrastinierst du schon?

Zerknülltes Papier auf einer gezeichneten GlühbirneNun sind all diese Zwischenschritte ein zweischneidiges Schwert. Denn der Übergang zwischen notwendiger Schreibvorbereitung und maskierter Prokrastination ist fließend. Manchmal haben wir einfach nur so viel Respekt vor einem anstehenden Projekt, dass wir den Startschuss hinauszögern und uns einreden, wir bräuchten noch ein bisschen mehr Planung. Es gibt ihn, diesen Punkt, an dem man einfach loslegen und ins kalte Wasser springen muss, um vom Planen ins Tun zu kommen.

Das weiß ich. Ich weiß aber auch, dass ich jemand bin, der die Vorbereitung braucht. Dass ich mir selbst keinen Gefallen tue, wenn ich zu früh anfange, und dass meine Geschichten beim Schreiben selbst eine andere Dynamik bekommen, wenn ich vorher gut geplant habe. Das ist eine Sache, die auf andere Autoren nicht zutreffen muss. Jeder von uns arbeitet anders, manchmal sogar bei jedem Projekt. Ich habe Autorenfreundinnen, deren Ideen relativ rasch zur Schreibreife kommen und bestenfalls ein paar hingeworfene Zeilen an Notizen nebenher brauchen. Andere haben immer verschiedene Projekte parallel in der Mache, eins in Überarbeitungs-, eins in der Schreibphase beispielsweise. Wer schreibt, muss seinen eigenen Weg finden, das macht die Sache so schwierig: Wir stehen sehr häufig vor ähnlichen Problemen, aber längst nicht immer greifen die gleichen Lösungen.

»Ich will aber schreiben!«

Zerknülltes Papier auf einem leeren BlockWas heißt das für mich? Ich habe Sehnsucht nach dem Schreiben. Es fehlt mir in meinem Tagesablauf. Gleichzeitig habe ich genug Dinge zu tun, die mit dem Schreiben in Verbindung stehen: Plotten für das nächste Projekt, Überarbeiten für das davor. Und all das sind Arbeitsschritte, die ich auch sehr gerne mag. Nur gerade ist meine Muse ein trotziges Kleinkind, die aufstampft, dass die Tinte spritzt, und lauthals quengelt: »Ich will jetzt aber schreiben!«

Nur ‒ ohne Idee keine Geschichte. Ohne Vorbereitung kein Schreiben. Und da beißt sich das Plotbunny in den Schwanz. (Was, nebenbei bemerkt, sehr niedlich aussieht.)

Es ist ein interessanter Zustand gerade. Mir ist auch erst vor kurzem bewusst geworden, wie sehr ich mich selbst mit dieser inneren Trotzmuse blockiere: Ich hadere regelmäßig damit, dass ich gerade nicht schreibe, es aber gerne würde. Hadern kostet aber Energie, die ich gut und gerne in andere Arbeitsprozesse stecken könnte.
Eine ultimative Lösung habe ich übrigens noch nicht gefunden. Im Moment sehe ich zwei Ansätze, die sich auch nicht gegenseitig ausschließen. Die eine Seite ist das Mindset, eine Frage der Einstellung. Daran arbeite ich gerade: Ich suche den richtigen Lolly für meine trotzende Muse, um uns beide damit zu versöhnen, dass alles seine Zeit hat, auch das Schreiben. Und dass ich mich nicht daran aufreiben muss, wenn ich es gerade nicht tue. Weil ich es wieder tun werde und weil ich genug andere Dinge tue ‒ auch und gerade schreibbezogen. Ich will Freude an den diesen Arbeitsschritten haben, anstatt sie als zu sehen, das mich gerade vom Schreiben abhält.

Die andere Seite ist das Schreiben selbst. Ein freundliches kleines Projekt nebenher wäre nett, das mich durch die Durststrecke begleitet und meine Muse dezent enttrotzen kann. Da darf ich dann nur nicht an meinen eigenen Ansprüchen zu Planung und Vorbereitung scheitern ‒ sonst sitze ich sofort wieder im gleichen Hamsterrad. Ob ich eine Lösung finde? Mal sehen.

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Fotos: ColiN00B| fancycrave1| congerdesign | Pixabay

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