Schon seit Juli 2016 nutze ich das System Bullet Journal: eine flexible Mischung aus Kalender, To-Do-Listen und Tagebuch. 2018 starte ich mit meinem dritten »BuJo« und bin noch immer begeistert. Grund genug, Genaueres zu berichten.

Über das Bullet Journal habe ich schon einmal gebloggt. Damals hatte ich es ganz frisch für mich entdeckt. Und nun noch ein Beitrag dazu? Warum denn das?
Eigentlich ganz einfach: Weil ich jetzt seit fast anderthalb Jahren mit diesem System arbeite und weiß, dass meine anfängliche Begeisterung nicht nur ein Strohfeuer war. Ganz im Gegenteil. Früher habe ich vor allem vorgedruckte Buchkalender benutzt — und fast nie ein ganzes Jahr lang durchgehalten. Irgendwann lagen die armen Schätzchen traurig in einer Ecke, und ich hatte durch meine Nachlässigkeit ein so schlechtes Gewissen, dass ich die Kalender erst recht nicht mehr anfasste. Meine Termine merkte ich mir einfach so (lies: vergaß ich einfach so) oder notierte sie auf losen Zetteln, die unmittelbar danach spurlos verschwanden, was wiederum dazu führte, dass … Ihr dürftet ein Muster erkennen.

Das Bullet Journal hingegen begleitet mich jeden Tag und funktioniert. Gleichzeitig hat sich meine Routine besonders über das letzte Jahr hinweg verändert und entwickelt. Aber das ist ja gerade das Praktische an diesem System: Weil das Bullet Journal nicht nur komplett selbst gestaltet wird, sondern das auch größtenteils »im laufenden Betrieb«, lässt sich auch jederzeit etwas anpassen, wenn es doch besser zur aktuellen Arbeitsweise passt. (Auch Rotweinflecken sind kein Problem und alle Teile können in die Spülmaschine! Nein, Moment, falscher Film …)

Bullet Journal: Warum funktioniert es für mich?

Vielleicht sollte die Frage eher lauten: Warum haben die hübschen vorgedruckten Buchkalender für mich nicht funktioniert, obwohl ich es lange Zeit verzweifelt immer wieder versucht habe?

Die Antwort ist: Sie haben für mich zu starre Strukturen. Traditionelle Kalender sind vorrangig darauf ausgerichtet, Termine im Blick zu behalten. Für mich als Selbständige deckt das aber nur einen Bruchteil meiner organisatorischen Bedürfnisse ab. Natürlich habe ich auch Termine und Deadlines. Gleichzeitig muss ich meinen Tagesablauf selten um feste Uhrzeiten herumplanen. Wichtiger ist für mich, den Überblick über meine To-Do-Listen und Projektfortschritte zu behalten. Ich möchte meine Ideen an einem zentralen Ort sammeln und auch wiederfinden, anstatt mit unzähligen losen Zetteln zu arbeiten. Ich brauche also praktischerweise genau das, was ohnehin die Idee hinter dem System Bullet Journal ist.

Ist das Bullet Journal zu zeitaufwändig?

Farbige Markierungen in einem Bullet JournalDie Ironie bei der ganzen Sache besteht womöglich darin, dass ein Bullet Journal auf den ersten Blick mehr Aufwand bedeutet als ein vorgedruckter Kalender. Und ja, seien wir ehrlich, auch auf den zweiten. Den vorgedruckten Kalender schlage ich auf, trage den Geburtstag von Tante Kreszentia ein und fertig. Wenn ich das Bullet Journal zum ersten Mal aufschlage, starre ich nur auf punktiertes Papier (oder weißes, oder liniertes, oder kariertes, denn grundsätzlich kann jedes Notizbuch zum Bullet Journal werden! Es sei denn, es ist ein vorgedruckter Buchkalender. Dann wird es schwierig). Den Kalender für Tante Kreszentia muss ich erstmal selbst malen. In der Zeit hätte ich im vorgedruckten Kalender schon zwanzig weitere Geburtstage eintragen können. Müsste ich das Bullet Journal also nicht schon längst in die Ecke gepfeffert haben, wo es gemeinsam mit verstaubten Buchkalendern von besseren Zeiten träumt?

Tatsächlich höre ich auch recht oft von Leuten, dass sie das Bullet Journal für einen Zeitfresser halten. Oder dass sie eines angefangen hatten, es aber aufgegeben haben, weil es ihnen zu viel Aufwand war.

Ein Bullet Journal darf auch minimalistisch sein

Zunächst mal: Nicht für jeden muss das Bullet Journal das perfekte System sein. Vor allem dann nicht, wenn man vielleicht sowieso schon prima mit vorgedruckten Buchkalendern klarkommt — die sind ja nicht das papiergewordene Böse, sondern schlicht und ergreifend ein System, das bestimmten Bedürfnissen entgegenkommt, anderen aber nicht. Ebenso das BuJo. Und für wen sich klassische Kalender oder vielleicht pfiffige Smartphone-Apps bewährt haben, der muss vielleicht auch nicht unbedingt aufs Bullet Journal umsteigen.

Gleichzeitig habe ich aber auch das Gefühl, der Mythos vom bösen zeitfressenden Bullet Journal gründet auf einem Missverständnis. Das kommt allerdings fast unvermeidlich auf, wenn man sich etwa auf Instagram durch die Bilder aufwändig gestalteter Bullet Journal-Seiten klickt. Ich persönlich finde vieles davon wahnsinnig schön, aber es ist definitiv nicht der Stil, in dem ich mein eigenes BuJo gestalte. Das wusste ich von Anfang an. Ich mag Handlettering und Kalligraphie und gönne mir da ab und zu eine hübsche Überschrift, ansonsten ist mein Bullet Journal aber sehr minimalistisch. Und entsprechend wenig Zeit frisst die Planung.

Im BuJo nichts Neues: Meine Planungsroutine

An dieser Stelle stand ursprünglich eine detaillierte Beschreibung. Bis mir auffiel, dass fast die gleiche Beschreibung schon in meinem ersten Bullet Journal-Artikel steht. Das heißt: An meiner Routine für die Jahres- und Monatsplanung hat sich kaum etwas geändert. Noch immer lege ich alle zwölf Monatsübersichten im Voraus an, auch wenn die Originalidee vorsieht, dass man das Monat für Monat tut. Für mich funktioniert es aber so am besten: Ich muss zwar vorab ein wenig mehr Zeit investieren, aber wenn dann Termine aufploppen, kann ich sie auf der Stelle in die richtige Monatsübersicht eintragen. Und ich laufe nicht Gefahr, dass mir in stressigen Phasen die Zeit fehlt, die Übersicht für den nächsten Monat zu machen.

Mein »future log« befindet sich am Ende des Bullet Journals und bezieht sich aufs kommende Jahr — sobald mir zum Beispiel jemand die Termine für die Leipziger Buchmesse 2019 zubrüllt, werden die dort notiert und dann im nächsten BuJo direkt in die Monatsübersicht für März übertragen. (Aber noch haben wir da ja ein wenig Zeit.)

Doch was Neues: Meine Wochenplanung im Bullet Journal

Aber halt, eine Sache hat sich doch verändert: die Wochenplanung. Ursprünglich gab es die bei mir nämlich gar nicht. Mittlerweile weiß ich aber, dass eine Woche bei mir eigentlich immer eine Doppelseite einnimmt. Entsprechend gibt es oben links einen Kasten mit den gesammelten Aufgaben für die aktuelle Woche. Termine und Verabredungen kommen daneben in einen Extrakasten mit einer Zeile pro Wochentag. (Es gibt übrigens zahllose Möglichkeiten, so eine Wochenübersicht zu gestalten, hier gibt es eine hübsche Sammlung von Beispielen, die eines gemeinsam haben: Sie sind alle sehr schlicht und ohne viel Aufwand umzusetzen.)

Außerdem habe ich mir angewöhnt, für jede Woche ein paar Essensideen zu notieren. Nicht in dem Sinne, dass es für jeden Tag einen fixen Menüplan gibt. Aber wenn ich die Übersicht für die neue Woche anlege, überlege ich auch, was ich gern mal wieder kochen würde oder wofür gerade alles im Haus ist. Das klingt ziemlich banal und dauert nur ein paar Minuten. Allerdings hilft es mir unter der Woche enorm, wenn ich aus einer Handvoll Möglichkeiten auswählen kann, anstatt mit knurrendem Magen die unendlichen Weiten aller je ersonnenen Rezepte zu durchstreifen (und sich am Ende sowieso für Thunfischpizza zu entscheiden).

Es muss nicht immer eine To-Do-Liste sein

Wie im ersten BuJo-Artikel schon erklärt arbeite ich noch immer mit meinen thematischen Spalten, in die ich auch meine To-Dos einsortiere. Mittlerweile mache ich es aber oft so, dass ich mir keine oder nur sehr wenige Sachen zum Abhaken in der Tagesplanung notiere. Stattdessen gucke ich nur in den Kasten mit den Wochenaufgaben, picke mir was raus (nein, nicht die Thunfischpizza! Die steht zwei Kästen weiter) und schreibe auf, was ich geschafft habe. Irgendwann werde ich noch mal eine sehr fundierte und umfangreiche Studie dazu durchführen, warum mich das produktiver macht. Vielleicht schreibe ich aber auch einfach einen Blogartikel.

Ach ja, und der Zeitaufwand für meine schicke Wochenplanung mit thematischen Thun-Do-Listen und Spalten? Wenn es hoch kommt, dauert das Anlegen der neuen Wochendoppelseite zehn Minuten. (Einmal pro Woche.) Tagsüber liegt das BuJo meist in Reichweite neben mir und wird quasi nebenbei aktualisiert. Manchmal ziehe ich abends Bilanz, aber auch das dauert nur wenige Minuten. Und alles, was ich darüber hinaus an Zeit ins Bullet Journal stecke, geht direkt in Projektplanung und Brainstorming, die ich ohnehin machen will. Zum Beispiel die Listen … ah, die Listen. Die sind wichtig. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Und jetzt bin ich neugierig: Führt ihr auch ein Bullet Journal? Seit wann? Was mögt ihr daran? Und wenn ihr keines habt, was nutzt ihr stattdessen?