FAQ

Eine Sammlung von Dingen, nach denen ich öfter gefragt werde. Einfach auf eine Frage klicken, um die zugehörige Antwort zu lesen.

Immer nur Lateinamerika? Wird das nicht langweilig?

Auf den ersten Blick könnte man das meinen. Auf den zweiten aber ist Lateinamerika in jeder Hinsicht so vielfältig, dass sich Langeweile wohl so rasch nicht einstellen wird. Zwischen einer Geschichte, die ich im Mexiko des 16. Jahrhunderts ansiedle, und einer, die im modernen Buenos Aires spielt, besteht allein schon vom Schauplatz her ein himmelweiter Unterschied. Ein historischer Roman aus den peruanischen Anden funktioniert genretechnisch komplett anders als ein Fantasy-Western an der Grenze zu einem fiktiven parallelweltlichen Mexiko. Und dann gibt’s ja noch so viel, was ich noch gar nicht ausprobiert habe. Wie wäre es mal mit magischem Realismus aus der Karibik? Oder Ethno-Fantasy aus dem Amazonasgebiet? Moment, das sollte ich mir notieren …

Mit anderen Worten: Lateinamerika ist eine Welt für sich. Andere Autoren lassen ihre Romane durchweg in den USA oder in Europa spielen, und auch da gibt es genug Vielfalt, dass man keine Angst vor Langeweile oder Wiederholung haben muss.

Natürlich schließe ich nicht aus, auch Bücher zu schreiben, die anderswo spielen. Ich würde nie eine neue Idee vor die Tür jagen, nur weil sie nichts mit Lateinamerika zu tun hat. Doch mit seiner Vielfalt, seinen historischen Hintergründen und seinen aktuellen Konflikten liefert Lateinamerika mir ständig neue Inspirationen für Geschichten, die ich unbedingt erzählen will — oft mit einem zumindest gefühlten »Heimvorteil«, schließlich haben sich alle meine Studienfächer um Lateinamerika gedreht, und ich kann auf einige Reisen dorthin zurückblicken. Der regionale Bezug ist also insgesamt eher roter Faden als eine Einschränkung.

Inspiration aus Lateinamerika und von indigenen Völkern - ist das nicht voll imperialistisch?

Ich gebe es zu, die Frage hat mir noch niemand gestellt, aber ich selbst stelle sie mir, vor allem, seit ich auf dem Blog »Native Appropriations« den Beitrag einer Native American gelesen habe, in der sie sich kritisch damit auseinandersetzt, dass J.K. Rowling sich für ihr Projekt »Magic in North America« auch und gerade bei indigenen Kulturen (in diesem Fall eben Nordamerikas) bedient:

»Das Problem, Jo (kann ich dich Jo nennen? Ich hoffe doch mal), ist, dass wir Indigenen konstant als Fantasy-Wesen dargestellt werden. Denk an Peter Pan, wo es in Nimmerland Meerjungfrauen, Piraten … und Indianer gibt. Oder wie sich zu Halloween die Kinder als Monster, Zombies, Prinzessinnen, Disneyfiguren … und Indianer verkleiden. Jenseits dieser Positionierung als ›nicht real‹ liegt ein alles durchdringender und problematischer Narrativ, in dem Native peoples immer ›mystisch‹ und ›magisch‹ und ›spirituell‹ dargestellt werden — sie können mit Tieren sprechen, Geister beschwören, Magie wirken, mit ›Medizin‹ heilen und mit ›Flüchen‹ zerstören. Denk nur an Großmutter Weide in Pocahontas, oder wie Tonto in Lone Ranger mit seinem Pferd redet, oder das Wolfsrudel in Twilight … oder beliebige weitere Beispiele.

Aber wir sind keine magischen Kreaturen. Wir sind Leute der Gegenwart, wir sind noch immer hier und praktizieren unsere spirituellen Traditionen, Traditionen, die nichts mit einer vollkommen imaginären Zauberwelt zu tun haben  … «

— Adrienne K.: »Magic in North America«: The Harry Potter franchise veers too close to home (Übersetzung meine)

Auf der einen Seite mag es zwar sein, dass die Autorin ein sehr vereinfachendes und leicht abwertendes Bild von phantastischer Literatur hat, aber darum geht es letztlich nicht. Denn auf der anderen Seite sind die Einwände sehr berechtigt.

In dem Moment, in dem ich jemanden in meiner Geschichte darstelle, übe ich Macht aus — die Macht, andere darzustellen, egal, ob sie davon wissen oder damit einverstanden sind. Für sich allein genommen ist das noch nicht allzu problematisch. Es ist eine Macht, die letztlich jeder ausübt, der über einen anderen spricht. Ohne sie würde Geschichtenerzählen oft nicht funktionieren.

Schwierig wird das Ganze, wenn wir bedenken, dass es geschichtlich und politisch gesehen noch ganz andere Machtverhältnisse gibt — insbesondere zwischen Europa und (Latein)amerika. Der Kolonialismus hat Spuren hinterlassen. Ich habe das auf meinen Reisen durch Südamerika selbst erlebt. Als weiße Europäerin bin ich immer als privilegiert wahrgenommen worden. Oft konnte und durfte ich mir mehr herausnehmen als beispielsweise einheimische Freunde. Und letztendlich beginnt das Machtgefälle bei der bloßen Möglichkeit, überhaupt reisen zu können.

Und jetzt aus dieser privilegierten Position heraus kommen und aus Mythen und Vorstellungen, die nicht meine sind, Geschichten machen? Über einen Kontinent und seine Leute erzählen, weil ich es eben kann und mich niemand zur Rechenschaft ziehen wird? Ist das nicht auch wieder eine Fortsetzung kolonialer Strukturen? Habe ich ein Recht auf diese Geschichten? Verunglimpfe ich die Anliegen gerade indigener Gruppen, wenn ich ihre Realität mit meiner Fiktion und zum Teil sogar phantastischen Elementen vermenge?

Natürlich möchte ich auf all das gern vehement mit »Nein« antworten, aber die Frage ist, ob ich das kann. Was ich für mich weiß:

  • Wenn ich über indigene Vorstellungen und Praktiken schreibe, möchte ich nicht romantisieren oder exotisieren. Recherche ist auch in meinen Fantasy-Projekten enorm wichtig. Ich nehme die Realität nicht weniger ernst, wenn ich sie mit phantastischen Elementen anreichere. Und ich möchte diese Elemente nicht isoliert benutzen, sondern immer einen Zusammenhang herstellen, auch zu Gegenwart und Alltag.
  • Ich habe zum Beispiel darüber nachgedacht, wie es wäre, eine völlig eigene Welt zu kreieren, in der ich mehrere Projekte ansiedeln kann und die von Lateinamerika inspiriert ist, ohne Lateinamerika zu sein. Das fühlt sich für mich falsch an — als würde ich Dinge gewaltsam aus ihrem Zusammenhang lösen, als würde ich stehlen. Das heißt nicht, dass sich eine solche Welt nicht vielleicht doch gut umsetzen lässt, aber ich persönlich kann und möchte es nicht.
  • Ich achte auf die Machtverhältnisse in meinen Geschichten. Es spielen immer auch lateinamerikanische Akteure eine Rolle, und ich möchte sie als ebenso eigenständig und aktiv handelnde Figuren zeigen wie meine europäischen Charaktere. (Genauso, wie meine Heldinnen sich auch durchaus selbst retten dürfen, anstatt auf ihren strahlenden Ritter zu warten.) Das heißt nicht, dass die lateinamerikanischen Figuren in meinen Geschichten nie in Schwierigkeiten geraten dürfen. Aber es ist ziemlich leicht, in platte Stereotype abzugleiten, und das versuche ich zu vermeiden.

Letztlich stehe ich in meinen Geschichten vor genau dem Problem, das auch alle Forschung in der Ethnologie (also Kulturanthropologie) bestimmt: Es ist eine beständige Gratwanderung zwischen zwei Extremen — auf der einen Seite das übermäßige Exotisieren, auf der anderen Seite die unangemessene Aneignung. Ob mir diese Balance immer gelingt, ist eine Frage, die letztlich mit jedem Buch meine Leser neu beantworten müssen. Ein Bewusstsein für das Problem ist jedenfalls da, und das ist hoffentlich immerhin ein Anfang.

Wie spricht man deinen Nachnamen aus?

Das ist gar nicht so schwer, wie es aussieht! Das tschechische Ž entspricht einem stimmhaften »sch«, das heißt, es klingt wie das »G« in »Genie« oder das »s« im englischen »pleasure«. Das zweite z wird wie ein stimmhaftes »s« ausgesprochen, also im Prinzip wie in »also«. Das ý ist nichts weiter als ein langes i und das e ist kurz und geht in Richtung »ä«. In internationaler Lautschrift sieht das ungefähr so aus: [ʒɛlɛzni]*

Aber keine Sorge: Ich reagiere auch auf so ziemlich alle anderen akustischen Varianten, zum Beispiel Tzeleznii oder das vielsagende hilflose Schweigen nach meinem Vornamen.

___________________________________________________________________________________
*Meine Güte, ist das nicht schick? Mühsam für euch zusammengesucht.

Warum all die Kolibris?

Überall auf meiner Seite schwirren kleine Kolibris herum — warum eigentlich?

Gründe gibt es dafür viele:

Kolibris und Schreiben sind für mich schon seit langer Zeit eng verbunden. Neue Ideen stelle ich mir häufig genau wie einen Kolibri vor: wunderschön anzusehen, bunt schillernd im Sonnenlicht, aber auch scheu, klein und so verflixt schnell, dass man sie erst einmal nicht zu greifen bekommt.
In meinem Roman Kondorkinder — Der Fluch des Spiegelbuches beispielsweise steht ein Kolibri nicht nur für eine neue Idee, sondern für die Gabe des Geschichtenerzählens insgesamt. Und als ich 2015 in einem sonnigen Andendorf gegen meine Schreibblockade kämpfte, war es tatsächlich ein Kolibri, der mich bei meinen morgendlichen Schreibsitzungen besuchte, als ob er sich zwischen zwei Schlückchen Nektar vergewissern wollte, dass ich auch wirklich an meiner Geschichte schrieb.

Kolibris kommen in großer Vielfalt in ganz Lateinamerika vor, das auch in den meisten meiner Geschichten eine große Rolle spielt. Dabei sind die Kolibriarten so vielseitig wie der Kontinent selbst. Mehr noch: Auch in lateinamerikanischen Mythen und Literatur ist der Kolibri allgegenwärtig. Meist ist er dort pfiffig und tapfer — in einigen Erzählungen aus den Anden tritt der Kolibri als gewitzter Gegenspieler des Kondors auf. Pablo Neruda, der große chilenische Dichter, hat auch ein augenzwinkerndes Gedicht über den Kolibri geschrieben, der auf der Suche nach einer Heimstatt ist: »Der Kolibri der sieben Lichter, // der Kolibri der sieben Blumen // sucht einen Fingerhut zum Wohnen … «

Klein und flink, flügelschwirrend und in der Luft verharrend, Blütennektar trinkend und oft vielfarbig schillernd: Der Kolibri ist ein ungewöhnlicher Vogel, der durch seine Fähigkeiten fasziniert. Manchmal scheint er ein Stückchen farbenfroher, lebendiger Magie zu sein, ein Zauber mitten in der Wirklichkeit, und das ist genau das, was meine Geschichten auch versuchen.

Aus all diesen Gründen ist der Kolibri einfach der beste und passendste Schreibbegleiter, den ich mir vorstellen kann. Und darum flattern so viele Kolibris auf meinen Seiten herum, trinken Ideen wie Blütennektar und sind so leicht, dass der Wind sie überallhin tragen kann — auf Entdeckungsreise, wie es bei einer guten Geschichte passieren kann.

Warum zwei Blogs?

Im Grunde blogge ich seit 2006 unter dem Namen »sabrinarequipa«, einem (total kreativen) Wortspiel aus meinem Namen und meiner peruanischen Wahlheimat Arequipa. In seinen Anfängen wurde der Blog noch von einem technisch versierten Bekannten betreut (an dieser Stelle: tausend Dank dafür, Robert!), 2010 zog ich auf eine eigene Seite um. Und wollte da über alles bloggen, was mich bewegte.

Hintergrundartikel zu Perú und Reiseberichte standen damals noch im Vordergrund, das Schreiben war eher eine Nebenerscheinung im Alltag, was sich noch im gleichen Jahr grundlegend änderte. Aber auch dann wollte ich die Themen auf einem Blog behalten — schließlich schreibe ich hauptsächlich über Perú und Lateinamerika, sodass eine gemeinsame Verwaltung naheliegend schien.

Zuletzt war ich damit aber nicht mehr hundertprozentig glücklich. Erstens ist »sabrinarequipa« sehr stark auf Perú fixiert, während meine Schreibprojekte sich nicht nur auf diese Region beschränken. Zweitens sind die Zielgruppen nicht zwangsläufig identisch. Wer sich über peruanische Politik informieren möchte, will nicht unbedingt auch etwas über meinen neuesten Fantasy-Roman lesen, und umgekehrt gilt das Gleiche. Abgesehen davon stiftete der vermeintliche Künstlername »Sabrina Requipa« Verwirrung.

Darum jetzt also zwei Seiten. Der Perú-Blog wird auf jeden Fall fortgeführt, aber alles, was sich ums Schreiben dreht, landet künftig hier. Ich nehme Wetten entgegen, wie lange es bis zum ersten Blogeintrag dauert, bei dem ich nicht sicher bin, auf welche meiner Seiten er gehört …

Wer ist eigentlich Zwiebel?

zwiebelZwiebel ist meine Alpaka-Handpuppe. Er kam 2012 auf der Leipziger Buchmesse zu mir, wo er hartnäckig selbst um seinen Preis feilschte und mich trotzdem noch fast in den Ruin trieb. Da ich am gleichen Tag meine erste Manuskriptzusage bekam, pocht er seither darauf, dass er mein unfehlbarer Glücksbringer ist.

In jedem Fall ist er mein Maskottchen und sorgt auf Messen und Conventions für einen gewissen Wiedererkennungseffekt. Das geht so weit, dass Leute freudig Zwiebel begrüßen, die ich selbst gar nicht kenne. Oder dass zum Beispiel meine ehemalige Agentin auf dem Buchmesse-Convent vor mir stehen blieb und zur Begrüßung erst einmal fragte: »Wo ist denn Zwiebel?«

Zwiebel hat eine große Klappe und weiß genau, wie toll und flauschig er ist. Außerdem verfügt er über eine eigene Facebook-Seite und sein Lebensmotto lautet »Weil ich es kann«.